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Rosetti, Rösler, Rössler, Rossetti,
Rozetti, Antonio, Anton * wohl 1750 in Leitmeritz (Litomeríce,
Nordböhmen), 30. Juni 1792 in Ludwigslust (Mecklenburg),
Komponist.
Schon zu Lebzeiten wurde er mit anderen Personen gleichen
Namens verwechselt (so auch in Gerber, Ernst Ludwig: Historisch-biographisches
Lexicon der Tonkünstler, 1792). Die seit 1813/14 (Gerber, Ernst Ludwig:
Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler) in fast allen
Nachschlagewerken zu findenden Angaben zur frühen Biographie entstammen
dem Artikel Noch etwas von Rosetti (1792) in der von Heinrich Philipp
Bossler herausgegebenen Musikalischen Korrespondenz. Obwohl diese
Angaben größtenteils archivarisch bislang nicht untermauert werden
konnten, sind sie doch als zuverlässig einzustufen, da Bossler in engem
persönlichen Kontakt zu Rosetti stand. Dieser Quelle zufolge kam Rosetti
"in seinem siebenten Jahre nach Prag in das Seminarium" wahrscheinlich
der Jesuiten, wo ihm eine umfassende (auch musikalische) Ausbildung zuteil
wurde. "In seinem 19ten Jahre" erhielt er als "Weltgeistlicher die
Tonsur", ehe er sich entschloss, dem geistlichen Stand zu entsagen.
Für die immer wieder aufgestellte Behauptung, Rosetti sei als Anton
Rös(s)ler geboren worden, gibt es ebenfalls keinen Beleg. In dem eben
zitierten Artikel wird sogar betont, dass er "nie Rößler, sondern
von Geburt an Rosetti" hieß.
Neueren Quellenfunden zufolge diente er Anfang der 1770er
Jahre als "Compositore della Musica bey dem Russisch Orlowschen
Regiment" bzw. "als Musicus des Grafen Orlow", bei dem es sich
wahrscheinlich um Graf Aleksej Orlov (seit 1770 Fürst Cesmenskij) handelt.
Vermutlich im September 1773 wurde Rosetti in die Dienste des Grafen (und seit
März 1774 Fürsten) Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein (Ries/Bayern)
aufgenommen. Im November taucht er erstmals in den Wallersteiner Akten auf, und
zwar als Angehöriger der Dienerschaft; im Juli 1774 erscheint er dann in
den Hofhaltungsrechnungen als Kontrabassist. Schon bald entstanden die ersten
Kompositionen für die Hofmusik wie auch für auswärtige
Auftraggeber. Im Frühjahr 1775 ist ein dreiwöchiger Aufenthalt am
Ansbacher Hof belegt. Ein Requiem, das er nach dem Tod von Kraft Ernsts erster
Gemahlin, Fürstin Maria Theresia ( 9. März 1776), für die
Trauerfeierlichkeiten am 26. März komponierte, erfuhr in der Folge eine
erhebliche Verbreitung. Am 28. Januar 1777 heiratete Rosetti die Wallersteiner
Gastwirtstochter Rosina Neher ( 1. April 1813 in Ludwigslust), die drei
Töchter zur Welt brachte. Bereits Ende der 1770er Jahre hatte er sich als
Komponist auch über die Grenzen Süddeutschlands hinaus einen Namen
gemacht. Seit 1776/77 vertrieb die Verlagshandlung Breitkopf in Leipzig seine
Kompositionen in Manuskriptkopie. Eine erste Druckausgabe seiner Werke, drei
Sinfonien, erschien 1779 bei Le Menu et Boyer in Paris. Seit 1781 waren seine
Orchesterwerke fester Bestandteil der Pariser Concerts spirituels, in
deren Auftrag er auch eine Reihe von Sinfonien schrieb.
Ende Oktober 1781 ermöglichte ihm der Fürst eine
mehrmonatige Reise in die französische Metropole, wo er um den 1. Dezember
eintraf. Dort ging er bei den einflussreichsten Persönlichkeiten des
Pariser Musiklebens, unter ihnen die Fürsten Rohan-Guémenée
und Bourbon-Conti, Charles Ernest de Bagge, Joseph Boulogne de Saint-Georges
und Joseph Legros, ein und aus, studierte das Konzert- und Operngeschehen und
knüpfte oder erneuerte Kontakte zu Musikverlagen. Im Mai 1782 kehrte
Rosetti nach Wallerstein zurück. Viele der seit Beginn der 1780er Jahre
entstandenen Werke erschienen bei renommierten Musikverlagen (André,
Artaria, Bossler, Hummel, Sieber etc.) im Druck. Im Frühjahr 1783 hielt
sich Rosetti wieder für mehrere Wochen am markgräflichen Hof in
Ansbach auf, im Winter 1783/84 führte ihn eine längere Reise zusammen
mit dem Fagottisten Christoph Hoppius in die Rhein-Main-Gegend (Mainz,
Frankfurt, Darmstadt, Speyer). Nach dem Weggang von Joseph Reicha an den Bonner
Hof des Kölner Kurfürsten Maximilian Franz im April 1785
übertrug ihm Fürst Kraft Ernst die musikalische Leitung des
Wallersteiner Orchesters. Seine Hoffnungen, außerdem auch den Posten des
Chorregenten an der Wallersteiner Pfarrkirche übertragen zu bekommen,
blieben unerfüllt. Im Februar 1786 ist eine Reise nach München
belegt, 1788 und 1789 mehrere Aufenthalte in Augsburg. Ab 1786 standen seine
Sinfonien regelmäßig auf den Programmen der großen Londoner
Konzertreihen (Salomon's Concert, Professional Concert etc.).
Trotz seines internationalen Ansehens litt Rosetti stets
unter Geldsorgen. Im Juli 1789 verließ er Wallerstein, um den ungleich
besser dotierten Kapellmeisterposten am Hof von Herzog Friedrich Franz I. von
Mecklenburg-Schwerin in Ludwigslust als Nachfolger von Carl August Westenholz
anzutreten. Frau und Kinder ließ Rosetti wohl erst Ende 1790 oder 1791
nachkommen. Anders als in Wallerstein verfügte die Ludwigsluster Kapelle
auch über ein leistungsfähiges Vokalensemble, für das Rosetti in
seinen letzten Lebensjahren noch eine Reihe groß besetzter Werke für
Chor und Orchester schuf. Nachdem die beiden Oratorien Der Sterbende
Jesus (1785) und Jesus in Gethsemane (1790) am Hof des Erzbischofs
von Trier, Kurfürst Klemens Wenzeslaus, großen Anklang gefunden
hatten, bestellte dieser 1791 bei Rosetti einige neue Sinfonien für sein
Hoforchester. Am 14. Dezember 1791 wurde bei der Prager Gedenkfeier für
den verstorbenen W. A. Mozart das frühe Wallersteiner Requiem von 1776 von
einem großen Aufgebot an Musikern aufgeführt, dem auch die mit
Mozart befreundete Sopranistin Josepha Duschek angehörte. Im Februar 1792
rief König Friedrich Wilhelm II. von Preußen Rosetti nach Berlin, wo
auf seine Anordnung hin am 2. März 1792 im Schloss eine Aufführung
des Oratoriums Jesus in Gethsemane und der Halleluja-Kantate
(1791) stattfand, zu der sämtliche protestantischen Prediger Berlins
geladen waren. Neben der stark besetzten Berliner Hofkapelle (76
Instrumentalisten und 32 Choristen) wirkten erste Kräfte der italienischen
Oper als Solisten mit, unter ihnen die Sopranistin Auguste Schmalz, der Tenor
Friedrich Franz Hurka und der Bassist Ludwig Fischer. Der Verleger Bossler, der
Rosetti in Berlin begegnete, traf diesen schwerkrank an. Die Ursache war ein
"bösartiger Husten" (Gerber, Ernst Ludwig: Neues historisch-biographisches
Lexikon der Tonkünstler), unter dem Rosetti schon seit längerem litt.
Nur wenige Monate später starb er in Ludwigslust "an der
Entkräftung" (Pfarrmatrikel).
Rosetti hat vor allem Instrumentalmusik, aber auch
geistliche Werke und Lieder hinterlassen. Charles Burney zählte ihn zu den
bedeutendsten Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts und nannte ihn sogar
in einem Atemzug mit Joseph Haydn und Mozart. Auch Christian Friedrich Daniel
Schubart sah in ihm "einen der beliebtesten Tonsetzer" seiner Zeit und
stellte insbesondere den Wohlklang seiner Musik heraus, der er "Grazie und
Schönheit" von "unendlich feiner Natur" bescheinigte (Ideen
zu einer Ästhetik der Tonkunst, Wien 1806, 167 f.). Die
kraftvoll-frische Melodik, die viele seiner Werke auszeichnet, verweist
unverkennbar auf seine Wurzeln in der böhmischen Volksmusik. Mit der
äußerst gewandten Behandlung des Waldhorns hat Rosetti viel zur
Entwicklung einer melodisch anspruchsvollen Komponierweise für dieses
Instrument beigetragen. Kennzeichnend für die Kompositionen vor allem der
Reifezeit sind eine reiche klangliche und harmonische Sprache voller
Expressivität, die teilweise schon in die Romantik vorausweist, und eine
überaus phantasievolle Instrumentierung. Nur wenige Komponisten wussten
damals einen derart farbigen Bläsersatz zu schreiben wie Rosetti, was auch
die Zeitgenossen bemerkten: "und besonders fallen seine Sätze für
Blase-Instrumente öfters himmlisch schön aus, die er überhaupt
beym Orchester meisterhaft zu benutzen weiß" (Gerber, Ernst Ludwig:
Historisch-biographisches Lexicon der Tonkünstler). Eine wichtige
Einflussgröße für sein instrumentales Schaffen stellt
sicherlich Haydn dar. Von ihm dürfte Rosetti den ökonomischen Umgang
mit thematischem Material und die Lust am Experimentieren mit der Form gelernt
haben. An Haydns Vorbild schärfte und verfeinerte er aber auch seinen Sinn
für musikalischen Humor. Ludwig Finscher, der in ihm "einen der
bedeutendsten Symphoniker der Epoche überhaupt" sieht, charakterisiert die
Sinfonien als "für ihre Zeit nicht nur moderne, sondern ausgesprochen
originelle Stücke, mit [
] Menuetten, die wie bei Haydn zum
Charakterstück' tendieren, einer äußerst flexiblen
Verbindung von kontrapunktischem und homophon-konzertantem Satz und vor allem
einem Hang zur thematischen Ökonomie bis zur Monothematik, dem eine
ausgeprägte Neigung zu thematischer Arbeit korreliert" (Art.
Symphonie, in: ²MGG, Sachteil, 1998, 41 f.). Günther
Grünsteudel |